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Ratgeber

Fachkräftemangel in der Kita: Lage, Ursachen und Lösungen für Träger

Von Sebastian Mekas, Co-Founder Imployo GmbH · Stand 06.11.2026

Garderobe einer Kita mit leeren bunten Haken und kleinen Bänken im Fensterlicht. Bild mit KI erstellt.
Bild mit KI erstellt.

Der Fachkräftemangel Kita zeigt sich an vier Befunden: wachsender Bedarf, regionale Unterschiede, hohe Ausfälle und ein veränderter Qualifikationsmix. Wer die Ursachen kennt, setzt die richtigen Hebel, und mehrere davon liegen bei Ihnen als Träger.

Das Personal ist stark gewachsen. Das Statistische Bundesamt zählte am 1. März 2025 in Kindertageseinrichtungen 795.700 Personen im pädagogischen, leitenden und Verwaltungsbereich, 17.500 mehr als im Vorjahr. Laut Fachkräftebarometer wuchs das Personal in zehn Jahren um 44 Prozent, der Gesamtarbeitsmarkt um 16 Prozent. Das Wachstum hat den Bedarf bisher nicht gedeckt.

Für Geschäftsführung, Personalleitung und Einrichtungsleitung bei Kita-Trägern zählen vier Hebel: Ausbildung, Quereinstieg, Bindung und Sichtbarkeit. Wie Sie Fachkräfte konkret gewinnen, steht im Ratgeber Erzieher finden.

Das Wichtigste in Kürze

Der Mangel hat mehrere Ursachen, und Träger können vier Hebel nutzen. Die Zahlen zeigen den Druck, die Hebel setzen dort an, wo Sie selbst etwas ändern.

  • Bedarf: Laut Bertelsmann Stiftung fehlten 2023 rund 430.000 Kita-Plätze, davon rund 385.900 in Westdeutschland.
  • Ausfälle: Kita-Beschäftigte waren 2023 im Schnitt an knapp 30 Tagen arbeitsunfähig, alle Berufsgruppen an rund 20.
  • Qualifikation: Der Anteil ausgebildeter Erzieherinnen und Erzieher sank in zehn Jahren von 68 auf 63 Prozent.
  • Nachwuchs: Die Neuzugänge in der Erzieherausbildung sanken 2023/24 um 5 Prozent auf rund 40.000.
  • Hebel: Ausbildung, Quereinstieg, Bindung und Sichtbarkeit, etwa über eine Karriereseite.

Was bedeutet Fachkräftemangel in der Kita?

Ein Mangel liegt nicht schon dann vor, wenn eine Stelle ein paar Wochen offen bleibt. Er zeigt sich, wenn qualifizierte Fachkräfte über längere Zeit fehlen und Teams das auffangen müssen. In Kitas wirkt er auf Personalschlüssel, Öffnungszeiten, Krankenstände und Qualifikation.

Was bedeutet Fachkräftemangel in der Kita? Fachkräftemangel in der Kita bedeutet, dass pädagogisch qualifizierte Fachkräfte fehlen, um Plätze, Personalschlüssel und Öffnungszeiten wie geplant zu sichern. Er entsteht aus wachsendem Bedarf, regional unterschiedlicher Nachfrage, hohen Ausfallzeiten und zu wenig Nachwuchs. Für Träger zeigt er sich an Stellen, die lange offen bleiben, und an Teams, die Vertretung auffangen. Die Bertelsmann Stiftung beschreibt, dass er die Erfüllung der Rechtsansprüche und den Bildungsauftrag zunehmend erschwert.

Wie groß ist der Fachkräftemangel in Kitas?

Fünf Quellen, ein Befund: Es fehlt an Fachkräften und an Plätzen.

KennzahlWertQuelle und Jahr
Personal in Kitas795.700 Personen, 17.500 mehr als im VorjahrStatistisches Bundesamt, 1. März 2025
Fehlende Kita-Plätzerund 430.000Bertelsmann Stiftung, 2023
Ausgebildete Erzieher im Team63 Prozent, vor zehn Jahren 68 ProzentFachkräftebarometer, 2024
Neuzugänge Erzieherausbildungrund 40.000, 5 Prozent wenigerFachkräftebarometer, 2023/24
Arbeitsunfähigkeitstageknapp 30 je Beschäftigtem, alle Berufe rund 20Bertelsmann Stiftung, 2023
Überlastungfast die Hälfte täglich oder fast täglichBertelsmann Stiftung, Befragung 2023

Auch der Personalschlüssel zeigt den Druck. Eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft ist in Westdeutschland rechnerisch für 3,4 Kinder in Krippen- und 7,7 in Kindergartengruppen zuständig. Im Osten sind es 5,4 und 10,5. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt 1 zu 3 und 1 zu 7,5.

Danach betreut der Osten fast 90 Prozent und der Westen rund 62 Prozent der Kita-Kinder in Gruppen, deren Schlüssel nicht kindgerecht ist. Die Werte beruhen auf Daten vom 1. März 2022.

Wo ist der Mangel am größten?

Die Lage unterscheidet sich stark nach Region. Im Westen fehlen weiterhin Plätze und Fachkräfte. Im Osten sinkt die Nachfrage, weil die Geburten seit 2016 zurückgehen. Bundesweit wurden 2024 laut Fachkräftebarometer 677.117 Kinder geboren, 15 Prozent weniger als 2021.

Auch die Qualifikation unterscheidet sich. Im Osten haben 87 Prozent des Kita-Personals einen Abschluss auf Fachschul- oder Hochschulniveau, im Westen 68 Prozent. Die Bertelsmann Stiftung zeigt, dass der Anteil der Kitas mit hoher Fachkraft-Quote von 2023 zu 2024 in zehn Bundesländern gesunken ist.

Innerhalb der Länder liegen die Kreise weit auseinander. Im Landkreis Sömmerda erreichen 94,3 Prozent der Teams eine hohe Fachkraft-Quote, im Landkreis Augsburg 2,3 Prozent. Wo Fachkräfte durch den Geburtenrückgang frei werden, ist laut Bertelsmann Stiftung kein Absenken der Standards nötig. Das gilt für weite Teile Ostdeutschlands.

Zahl: Wer wechselt, bleibt im Feld. Laut Fachkräftebarometer wechselten 2023 rund 200.200 Personen aus der Kinderbetreuung in eine neue Beschäftigung. 131.200 davon blieben im Berufsfeld. Bei den Fachkräften verließen nur 5 Prozent beim Jobwechsel das Feld.

Wie erkennen Sie den Mangel in Ihrer Einrichtung?

Vergleichen Sie Ihr Haus mit den Kennzahlen der Studien. Diese fünf Fragen zeigen, wo Ihre Lücke liegt:

  • Krankenstand: Liegt er über 8 Prozent? So hoch war der Wert im Kita-Bereich 2023 laut Bertelsmann Stiftung.
  • Fachkraft-Quote: Als hoch gilt, wenn mindestens 82,5 Prozent des pädagogischen Personals einen einschlägigen Fachschulabschluss haben.
  • Personalschlüssel: Vergleichen Sie Ihre Gruppen mit der Empfehlung von 1 zu 3 in der Krippe und 1 zu 7,5 im Kindergarten.
  • Offene Stellen: Wie lange sind sie offen, und wer fängt die Dienste auf?
  • Nachwuchs: Wie viele Auszubildende begleiten Sie, und wie viele davon übernehmen Sie?

Was sind die Ursachen des Fachkräftemangels?

Vier Ursachen wirken zusammen. Jede lässt sich mit Zahlen belegen, und jede verlangt eine andere Antwort.

Zwanzig Jahre Wachstum

Das Kita-System ist über zwei Jahrzehnte gewachsen. Laut Fachkräftebarometer mussten pro Jahr im Schnitt gut 30.000 neue Beschäftigte gewonnen, eingearbeitet und in Teams integriert werden. Die Ausbildung kam diesem Tempo immer weniger nach. Heute sinken die Neuzugänge in der Erzieherausbildung das zweite Jahr in Folge.

Hohe Ausfälle und Überlastung

Beschäftigte in der Kinderbetreuung waren 2023 laut Bertelsmann Stiftung an knapp 30 Tagen arbeitsunfähig. Der Krankenstand lag bei rund 8 Prozent, in allen Berufsgruppen bei rund 6 Prozent. Zwischen 2021 und 2023 stiegen die Krankheitstage um rund 26 Prozent. Die Ausfallzeiten betrugen knapp 18 Prozent der jährlichen Arbeitszeit einer Vollzeitkraft.

Die Vertretung braucht eigenes Personal. Um die Ausfallzeiten aufzufangen, müssten laut Stiftung bundesweit knapp 97.000 zusätzliche Fachkräfte in Vollzeit für Vertretung eingestellt werden.

Eine Befragung von über 20.000 Kita-Beschäftigten zeigt die Folge. Fast die Hälfte fühlt sich täglich oder fast täglich überlastet. Rund ein Viertel schätzt die Wahrscheinlichkeit, das Berufsfeld zu verlassen, auf 80 Prozent oder höher.

Ein veränderter Qualifikationsmix

Der Anteil ausgebildeter Erzieherinnen und Erzieher sank in zehn Jahren von 68 auf 63 Prozent. Zwischen 2022 und 2024 stieg die Zahl der Personen mit Verwaltungs-, hauswirtschaftlichen und sonstigen Abschlüssen im pädagogischen Personal um 28 Prozent. Alle Bundesländer bezeichnen inzwischen auch Berufsgruppen ohne einschlägige Qualifikation als Fachkräfte. Die Bertelsmann Stiftung führt das auf den Kostendruck der Kommunen zurück.

Wenig Spielraum bei der Arbeitszeit

Viele Fachkräfte arbeiten bereits vollzeitnah. Laut Fachkräftebarometer sind 58 Prozent mit 32 oder mehr Wochenstunden beschäftigt. Da es wenig unerwünschte Teilzeit gibt, liegt in der Aufstockung der Stunden kaum Potenzial.

Welche Hebel haben Träger?

Vier Hebel liegen in Ihrer Hand. Sie wirken unterschiedlich schnell, und Sie brauchen alle vier.

1. Ausbildung: Nachwuchs früh binden

Die Erzieherausbildung ist mit knapp 35.000 Absolventinnen und Absolventen die stabilste Säule der Fachkräftegewinnung. Die vergütete praxisintegrierte Ausbildung blieb stabil, während die vollzeitschulische Ausbildung sinkt. Wer Praxisplätze anbietet und Auszubildende anleitet, gewinnt Nachwuchs, bevor andere ihn ansprechen. Wie Sie junge Menschen erreichen, zeigt der Ratgeber Azubi-Recruiting.

2. Quereinstieg: Qualifizieren statt absenken

Quereinsteigende entlasten Teams. Die Bertelsmann Stiftung mahnt aber, dass es auf keiner Ebene Abstriche bei der pädagogischen Qualifizierung geben darf.

Sie empfiehlt, fachfremde Mitarbeitende berufsbegleitend zu qualifizieren. Bundesweit arbeiteten 2024 laut Fachkräftebarometer knapp 60.000 Personen ohne einschlägigen Abschluss in Kitas. Ein Quereinstieg gelingt, wenn Einarbeitung und Qualifizierung von Anfang an geplant sind.

3. Bindung: Ausfälle senken, Teams halten

Die Bertelsmann Stiftung nennt als Sofortmaßnahme, das pädagogische Personal von Verwaltungs- und Hauswirtschaftsaufgaben zu entlasten. Laut Befragung der Kita-Beschäftigten senkt eine dauerhaft gute Besetzung Überlastung und Abwanderungsgedanken. Das Risiko, den Beruf zu verlassen, ist laut Stiftung bei den 26- bis 30-Jährigen am höchsten. Wer gute Fachkräfte hält, muss weniger neue gewinnen.

4. Sichtbarkeit: Wechselnde Fachkräfte erreichen

Fachkräfte wechseln, bleiben aber im Feld. Das macht Sichtbarkeit zum wirksamsten Hebel bei der Gewinnung. Eine Karriereseite zeigt Stellen, Standorte und Team an einem Ort. Im TeamPlayer erzählen Mitarbeitende in kurzen Audio- und Video-Clips freiwillig von ihrem Alltag, veröffentlicht wird nur, was Sie freigegeben haben.

Eine Social-Recruiting-Kampagne zeigt Ihre Stelle auf Instagram und Facebook Menschen in Ihrer Region. Wer klickt, landet auf einer Bewerbungsseite für genau diese Stelle. Die Kurzbewerbung dauert rund drei Minuten, ohne Lebenslauf und Anschreiben. Die Kampagne läuft rund drei Wochen, und alle Bausteine geben Sie vorher im Kundenportal frei.

Welche Fehler verschärfen den Mangel?

Fünf Fehler sehen wir bei Trägern immer wieder:

  • Nur reagieren: Wer erst bei der Kündigung handelt, sucht unter Zeitdruck. Planen Sie Gewinnung und Bindung gemeinsam.
  • Nur eine Maßnahme: Eine Anzeige allein löst den Mangel nicht. Die Hebel wirken zusammen.
  • Qualifikation aufweichen: Mitarbeitende ohne pädagogische Qualifikation brauchen engere Begleitung. Das kostet die Fachkräfte Zeit, so das Fachkräfte-Forum der Bertelsmann Stiftung.
  • Ausfälle ignorieren: Hohe Krankenstände sind ein Signal. Sie gehören in jede Personalplanung.
  • Keine Sichtbarkeit: Fachkräfte, die wechseln wollen, müssen Ihr Haus kennen, bevor sie suchen.

Fazit: Handeln Sie an allen vier Hebeln

Der Fachkräftemangel in der Kita hat Ursachen, die Träger zwar nicht allein lösen, aber spürbar verringern. Ausbildung sichert den Nachwuchs, Qualifizierung macht Quereinstieg tragfähig, Bindung verringert Ausfälle, und Sichtbarkeit bringt Fachkräfte zu Ihnen. Beginnen Sie dort, wo Ihre größte Lücke liegt. Für die Sichtbarkeit sorgen Karriereseite und Social-Recruiting-Kampagne.

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Quellen

  • Zahl der unter Dreijährigen in Kindertagesbetreuung 2025 um 5,6 % gesunken (Pressemitteilung Nr. 392), Statistisches Bundesamt, 31.10.2025, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_392_225.html
  • Mehr Plätze und bessere Qualität in Kitas bis 2030, wenn jetzt entschlossen gehandelt wird (Pressemitteilung), Bertelsmann Stiftung, 28.11.2023, https://www.laendermonitor.de/fileadmin/files/laendermonitor/presse/2023/2023_11_28_PM_Mehr_Plaetze_und_bessere_Qualitaet_in_Kitas_bis_2030_-_wenn_jetzt_entschlossen_gehandelt_wird.pdf
  • Dramatisch hohe Krankheitsausfälle beim Kita-Personal erfordern Antwort der Politik (Pressemitteilung), Bertelsmann Stiftung, 20.08.2024, https://bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Presse/Pressemitteilung_Dramatisch-hohe-Krankheitsausfaelle-beim-Kita-Personal-erfordern-Antwort-der-Politik_20240820.pdf
  • Regelmäßige Überlastung durch personelle Unterbesetzung, Bertelsmann Stiftung, Dezember 2024, https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/fruehkindliche-bildung/projektnachrichten/regelmaessige-ueberlastung-durch-personelle-unterbesetzung
  • Gute Kita-Qualität in den Kommunen sichern (Pressemitteilung), Bertelsmann Stiftung, 30.09.2025, https://www.laendermonitor.de/fileadmin/files/laendermonitor/presse/2025/300925_PM_Regionale_Fachkraftquoten_final.pdf
  • Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2025, Deutsches Jugendinstitut, Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, 2025, https://www.fachkraeftebarometer.de/fileadmin/Redaktion/FKB_2025/Publikation/WiFF_FKB_2025_barrierefrei.pdf
FAQ

Fragen zum Fachkräftemangel in der Kita.

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