Fachkräftemangel in der Pflege: Zahlen, Ursachen und sieben Lösungen für Träger
Von Sebastian Mekas, Co-Founder Imployo GmbH · Stand 01.11.2026
Der Fachkräftemangel in der Pflege ist belegt, und er wächst. Das Statistische Bundesamt rechnet bis 2049 mit einer Lücke von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften. Die Bundesagentur für Arbeit bestätigt schon heute einen andauernden erheblichen Mangel bei allen examinierten Pflegekräften.
Die Demografie können Sie als Träger nicht ändern. Sieben Hebel liegen dagegen in Ihrer Hand: Dienstplanung, Bindung, Rückkehrer, Aufstockung, Ausbildung, Empfehlung und Sichtbarkeit. Jeder Hebel ist in den Zahlen der Behörden und Verbände angelegt.
Das Wichtigste in Kürze
Der Mangel ist kein Gefühl, sondern gemessen, und er lässt sich an mehreren Stellen zugleich verringern. Wer nur auf neue Bewerbungen wartet, nutzt einen von sieben Hebeln.
- Zahlen: Bis 2049 fehlen nach dem Statistischen Bundesamt 280.000 bis 690.000 Pflegekräfte. Auf 100 gemeldete Stellen für Pflegefachkräfte kommen 57 Arbeitslose.
- Ursachen: Mehr Pflegebedürftige, eine alternde Belegschaft, hohe Teilzeitquote, Belastung und Abbrüche in der Ausbildung.
- Reserve: 60 Prozent der Ausgestiegenen können sich eine Rückkehr vorstellen. Die Hälfte der Teilzeitkräfte würde aufstocken.
- Dienstplan und Führung: Wertschätzung und Unterstützung stehen an vorderster Stelle, ein verlässlicher Dienstplan macht den Beruf attraktiv.
- Sichtbarkeit: Wer Fachkräfte sucht, muss bei Menschen auftauchen, die nicht suchen, etwa mit einer Social-Recruiting-Kampagne.
Was bedeutet Fachkräftemangel in der Pflege?
Der Begriff meint mehr als „zu wenig Bewerbungen“. Die Bundesagentur für Arbeit erstellt seit 2011 regelmäßig Engpassanalysen für Berufe.
Was bedeutet Fachkräftemangel in der Pflege? Fachkräftemangel in der Pflege heißt, dass offene Stellen für examinierte Pflegekräfte nicht in angemessener Zeit besetzt werden können. Es stehen zu wenige qualifizierte Personen zur Verfügung. Für Pflegeberufe bestätigen die Engpassanalysen der Bundesagentur für Arbeit einen andauernden erheblichen Mangel, der alle examinierten Pflegekräfte einschließlich der Pflegeassistenz betrifft.
Fachkräftemangel in der Pflege: Wie groß ist die Lücke in Zahlen?
Sechs belegte Kennzahlen zeigen die Größenordnung.
| Kennzahl | Wert | Herausgeber, Jahr |
|---|---|---|
| Pflegebedürftige | knapp 5,7 Millionen, 730.000 mehr als 2021 | Statistisches Bundesamt, Stand Ende 2023 |
| Bedarf an Pflegekräften | 1,62 Millionen 2019, 2,15 Millionen 2049 | Statistisches Bundesamt, 2024 |
| Lücke bis 2049 | 280.000 bis 690.000 Pflegekräfte | Statistisches Bundesamt, 2024 |
| Vakanzzeit | 296 Tage Altenpflege, 269 Tage Krankenpflege | Bundesagentur für Arbeit, Oktober 2024 |
| Arbeitslose je 100 gemeldete Stellen | 57 für Pflegefachkräfte | Bundesagentur für Arbeit, 2025 |
| Pflegekräfte zwischen 55 Jahren und Regelaltersgrenze | 22 Prozent der Beschäftigten | Bundesagentur für Arbeit, 2025 |
Die Nachfrage nach Pflege steigt. Ende 2023 zählte das Statistische Bundesamt knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftige, 15 Prozent mehr als 2021. Ein Teil dieses Anstiegs geht auf den seit 2017 weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriff zurück. Der Bedarf an erwerbstätigen Pflegekräften wächst bis 2049 um 33 Prozent.
Die Beschäftigung wächst, die Lücke bleibt. Rund 1,8 Millionen Pflegekräfte waren 2025 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, gut 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2022 trägt dieses Wachstum ausschließlich die Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern (Bundesagentur für Arbeit).
Das Szenario bestimmt die Lücke. Die Trend-Variante des Statistischen Bundesamts, die auch die positiven Arbeitsmarkttrends der 2010er Jahre fortschreibt, ergibt 280.000 fehlende Pflegekräfte im Jahr 2049. Die Status-quo-Variante, die nur die Demografie berücksichtigt, ergibt 690.000. Das entspricht 43 Prozent der 2019 in Pflegeberufen Tätigen.
Eine offene Stelle bleibt lange offen. Im Oktober 2024 meldete die Bundesagentur für Arbeit je rund 17.000 offene Stellen in der Altenpflege und in der Krankenpflege. In der Altenpflege dauerte die Besetzung im Durchschnitt 296 Tage.
Zahl zur Einordnung: Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass nur rund jede zweite offene Stelle bei ihr gemeldet wird. Die gemeldeten Stellen in der Pflege sind seit drei Jahren rückläufig. Das steht laut Bundesagentur nicht für sinkende Nachfrage. Es kann Ausdruck des Mangels sein, wenn Betriebe nach vergeblicher Suche auf Meldungen verzichten.
Welche Ursachen hat der Pflegekräftemangel?
Sechs Faktoren wirken zugleich, alle von Behörden und Verbänden belegt:
- Mehr Pflegebedürftige: Ende 2023 waren es knapp 5,7 Millionen, 15 Prozent mehr als 2021 (Statistisches Bundesamt). Das ist die Nachfrageseite.
- Eine alternde Belegschaft: 22 Prozent der Pflegekräfte sind zwischen 55 Jahren und der Regelaltersgrenze. In den kommenden zehn Jahren scheiden nach der Bundesagentur für Arbeit voraussichtlich rund 389.000 aus Altersgründen aus.
- Viel Teilzeit: Mit 49 Prozent liegt die Teilzeitquote in der Pflege deutlich über den 31 Prozent der Gesamtwirtschaft. In der BMG-Studie nennen 57 Prozent der Teilzeitkräfte die Belastung bei einer Vollzeitstelle als Grund.
- Belastung und Ausstieg: In der DBfK-Umfrage 2026 sind 44 Prozent der Befragten ohne Führungsverantwortung mit der Auslastung unzufrieden. 37 Prozent können sich nicht vorstellen, bis zur Rente im Beruf zu arbeiten.
- Abbrüche in der Ausbildung: Rund jede dritte Pflegeausbildung wird nach der Bundesagentur für Arbeit ohne Abschluss beendet.
- Fehlende Passung: Die gemeldeten Stellen richten sich fast nur an qualifiziertes Personal, mehr als die Hälfte der Arbeitslosen sucht aber Hilfstätigkeiten.
Wachsende Nachfrage und alternde Belegschaft treffen auf eine Ausbildung, die Auszubildende verliert, und auf Arbeitsbedingungen, die viele belasten.
Studie: Die DBfK-Umfrage 2026 hatte 3.003 Teilnehmende und ist nicht repräsentativ. Der Verband versteht sie als Stimmungsbarometer. 69 Prozent der Befragten ohne Führungsverantwortung bewerten die Zusammenarbeit im Team positiv, kritischer sehen sie Auslastung und Wertschätzung durch den Arbeitgeber.
Fachkräftemangel in der Pflege: Sieben Lösungen, die Träger selbst in der Hand haben
Diese Hebel wirken in Ihrer Einrichtung, unabhängig von der Politik. Sie können einzeln oder gemeinsam angegangen werden.
1. Verlässliche Dienstplanung
Ein verlässlicher Dienstplan gehört zu den Bedingungen, die Pflegende selbst nennen. Nach der BMG-Studie „Pflegearbeitsplatz mit Zukunft“ (2023) machen flexible Arbeitszeitmodelle und ein mit den Mitarbeitenden gestalteter Dienstplan den Beruf attraktiv. Der Wunsch nach Work-Life-Balance zeigt sich nach dem BMG-Kurzbericht von 2022 in der Aussage „an freien Tagen nicht arbeiten zu müssen“. Die Böckler-Studie nennt verbindliche Dienstpläne eine zentrale Bedingung für die Rückkehr.
2. Fachkräfte halten
Bindung beginnt bei Führung und Wertschätzung. In der DBfK-Umfrage 2026 sind 43 Prozent der Befragten mit Führung und Management unzufrieden, 2024 waren es 34 Prozent. 20 Prozent haben mehrmals wöchentlich oder täglich über einen Arbeitgeberwechsel nachgedacht.
Nach dem Kurzbericht des Bundesgesundheitsministeriums stehen Wertschätzung und Unterstützung im Arbeitsalltag an vorderster Stelle. Jede gehaltene Fachkraft ist eine Stelle, die Sie nicht neu besetzen müssen.
3. Rückkehrer ansprechen
Ausgestiegene sind erreichbar. Laut Böckler-Studie 2022 (rund 12.700 Befragte) können sich 60 Prozent der Ausgestiegenen eine Rückkehr vorstellen, im Mittel mit 30 Wochenstunden. Das Potenzial beziffert die Studie auf mindestens 300.000 zusätzliche Vollzeitstellen.
Sprechen Sie Ehemalige gezielt an, statt auf Zufallsfunde zu hoffen. Erreichbar sind sie über Ihre Mitarbeitenden, Ihre Karriereseite und Anzeigen in Ihrer Region.
4. Teilzeitkräfte beim Aufstocken unterstützen
Die Hälfte der Teilzeitkräfte würde aufstocken. Im Median wären es zehn Stunden pro Woche (Hans-Böckler-Stiftung, 2022). Nach der BMG-Studie würden 66 Prozent der Teilzeitkräfte ihre Arbeitszeit bei besseren Bedingungen um bis zu zehn Stunden pro Woche erhöhen. 12 Prozent würden gar nicht aufstocken.
Planbare Schichten und Betreuungsangebote setzen diesen Hebel in Bewegung.
5. Ausbilden und qualifizieren
Die Ausbildungszahlen steigen, und Ihre Einrichtung profitiert davon. 2025 schlossen rund 63.900 Menschen einen neuen Ausbildungsvertrag zur Pflegefachkraft ab, 8 Prozent mehr als im Vorjahr (Statistisches Bundesamt, 2026). Jede dritte Ausbildung endet jedoch ohne Abschluss. Praxisanleitung und eine klare Übernahmeperspektive halten Auszubildende im Haus.
Wie Sie Auszubildende erreichen, steht im Ratgeber Azubi-Recruiting.
6. Empfehlungen eigener Mitarbeitender nutzen
Persönliche Kontakte sind der wichtigste Besetzungsweg. Bei 48 Prozent der Besetzungen suchten Betriebe auch über eigene Beschäftigte, bei 27 Prozent entschied dieser Weg (IAB 2025, alle Berufe). Ein einfacher Empfehlungsweg gehört deshalb in jede Einrichtung. Wie er aufgebaut wird, beschreibt der Ratgeber Mitarbeiter werben Mitarbeiter.
7. Sichtbar werden
Fachkräfte sehen Ihre Stelle nur, wenn Sie sie dort zeigen, wo sie sind. Laut ARD/ZDF-Medienstudie 2025 nutzen 63 Prozent der Menschen ab 14 Jahren soziale Netzwerke mindestens wöchentlich. Das Bundesgesundheitsministerium hält die Außendarstellung der Branche für deutlich zu wenig ausgeprägt. Die Kampagne zeigt Ihre Stelle den Menschen in Ihrer Region, eine Karriereseite zeigt, wie Arbeit bei Ihnen aussieht.
Welcher Hebel passt zu welcher Lage?
Beginnen Sie dort, wo Ihre eigenen Zahlen am deutlichsten sind. Die Tabelle ordnet fünf typische Lagen einem ersten Hebel zu.
| Ihre Lage | Erster Hebel | Beleg |
|---|---|---|
| Viele Mitarbeitende denken über einen Wechsel nach | Fachkräfte halten | DBfK 2026: 20 Prozent mit häufigen Wechselgedanken |
| Viele Teilzeitkräfte im Team | Aufstockung | Böckler 2022: die Hälfte würde aufstocken |
| Viele Abgänge aus Altersgründen in Sicht | Ausbildung und Empfehlung | Bundesagentur für Arbeit 2025: 389.000 Abgänge in zehn Jahren |
| Kaum Bewerbungen auf offene Stellen | Sichtbarkeit | ARD/ZDF 2025: 63 Prozent nutzen wöchentlich soziale Netzwerke |
| Ehemalige Mitarbeitende sind bekannt | Rückkehrer ansprechen | Böckler 2022: 60 Prozent der Ausgestiegenen offen für Rückkehr |
Praxistipp: Zählen Sie vier Kennzahlen Ihrer Einrichtung: Austritte der letzten zwölf Monate, Teilzeitanteil, Zahl bekannter Ehemaliger und Dauer Ihrer offenen Stellen. Die größte Zahl zeigt den ersten Hebel.
Fazit: Beginnen Sie mit dem Hebel, den Sie morgen bewegen können
Der Fachkräftemangel in der Pflege ist ein Mengenproblem, das Sie an sieben Stellen verkleinern. Dienstplanung und Führung wirken auf Ihr bestehendes Team. Rückkehrer und Aufstockung heben Ihre Reserve, Ausbildung und Empfehlung sichern den Nachwuchs, Sichtbarkeit wirkt auf den Markt.
Welche Wege zu Ihren offenen Stellen passen, vergleicht der Ratgeber Pflegekräfte finden. Wie Imployo Pflege und Altenhilfe unterstützt, steht auf der Seite Recruiting für Pflege.
Im 30-minütigen Erstgespräch klären wir, welche Stelle zuerst an der Reihe ist. Die Antwort auf Ihre Anfrage kommt innerhalb eines Werktags. Erstgespräch vereinbaren
Quellen
- Pflegevorausberechnung: Bis 2049 werden voraussichtlich mindestens 280 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, Statistisches Bundesamt (Pressemitteilung Nr. 033), 2024, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_033_23_12.html
- 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023, Statistisches Bundesamt (Pressemitteilung Nr. 478), 2024, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/12/PD24_478_224.html
- Pflegeausbildung 2025: Zahl neuer Auszubildender zum dritten Mal in Folge gestiegen, Statistisches Bundesamt (Pressemitteilung Nr. 231), 2026, https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_231_212.html
- Blickpunkt Arbeitsmarkt: Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen, Bundesagentur für Arbeit, Mai 2026, https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Generische-Publikationen/Arbeitsmarktsituation-in-Pflegeberufen.pdf
- Antwort der Bundesregierung, Drucksache 20/13882 (Vakanzzeit Altenpflege 296 Tage, Krankenpflege 269 Tage, Oktober 2024; Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit), Deutscher Bundestag, 2024, https://dserver.bundestag.de/btd/20/138/2013882.pdf
- Pflege, wie geht es dir? Umfrage 2026, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), 2026, https://www.dbfk.de/media/docs/newsroom/pressemitteilungen/2026/Pflege-wie-geht-es-dir-2026.pdf
- „Ich pflege wieder, wenn …“: Mindestens 300.000 zusätzliche Pflegekräfte möglich, Hans-Böckler-Stiftung, 2022, https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-neue-studie-mindestens-300-000-zusatzliche-pflegekrafte-40798.htm
- Pflegearbeitsplatz mit Zukunft: Ergebnisse der Studie zur Arbeitsplatzsituation in der Akut- und Langzeitpflege, Bundesministerium für Gesundheit, Mai 2023, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/K/Konzertierte_Aktion_Pflege/BMG_Ergebnisse_der_zweiteiligen_Studie_Arbeitsplatzsituation_bf.pdf
- Indikatoren für gute Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege (Kurzbericht), Bundesministerium für Gesundheit, IGES Institut, 2022, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/K/Konzertierte_Aktion_Pflege/Kurzbericht_Studie_Ermittlung_sowie_modellhaften_Implementierung_von_Indikatoren_fuer_gute_Arbeitsbedingungen_in_der_Langzeitpflege_barrierefrei.pdf
- IAB-Stellenerhebung 1/2026: Online-Medien sind bei der Personalsuche auf dem Vormarsch, Alexander Kubis, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB-Forum), 2026, https://iab-forum.de/online-medien-sind-bei-der-personalsuche-auf-dem-vormarsch/
- Social Media zwischen Wachstum und Sättigung (ARD/ZDF-Medienstudie 2025), Florian Tippelt, Media Perspektiven 31/2025, https://www.media-perspektiven.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2025/MP_31_2025_ARD_ZDF-Medienstudie_Social_Media_zwischen_Wachstum_und_Saettigung_Nutzungsmuster_und_Plattformdynamiken_in_Deutschland.pdf
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